Kunst im öffentlichen RaumGlarus weist städtisches Gepräge auf. Die Architekten Bernhard Simon und Johann Caspar Wolff fügten das neue Glarus auf dem 1861 untergegangenen in ausgeklügelter Symmetrie in das unversehrt Gebliebene meisterhaft ein. Um den Plan verwirklichen zu können, wurde ein ganzer Bergsturzhügel abgetragen. Dagegen erhoben sich mahnende Stimmen; es werde damit die Natur zu sehr geknechtet, denn «was Natur ist, ist schön». – Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz kommentiert 1993: «Ein städtebauliches Ereignis in den Alpen.» Es bezeichnet die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebauten südlichen Arbeiterhauszeilen als eines der wertvollsten Zeugnisse des frühen Arbeiterwohnungsbaus in der Schweiz. Das Ortsbild wird als Höhepunkt des demokratisch-republikanischen Städtebaus gefeiert. Ihm kommt nationale Bedeutung zu und der Spielhof gilt als einer der architektonisch einheitlichsten Plätze der Schweiz. In Glarus stehen beachtenswerte Skulpturen. Das Kunsthaus zieren das Werk «Posaunendreiklang» (1971/72) von Ernst Burgdorfer und die Skulptur «Flora» (1908) von Hermann Haller. Auch im schön angelegten Volksgarten, der das Kunsthaus umgibt, finden sich einige Kunstwerke: «Mutter und Kind» (1965 - 67) von Melanie Rüegg, eine Plastik «ohne Titel» (1991) von Alex Herzog und Walter Husers «Mädchen auf Kugel» (1957). Im Bahnhofgebäude steht die 4,3 m hohe «Schwarze Venus» (1984 – 86) von Raffael Benazzi, vor dem Kindergarten Löwen balanciert eine Stele (1990) von Syl Bamert bunte, vielförmige Figuren. Vor der Kantonsschule, regt der «Bildweg» (1977 - 80) von Anton Egloff zum Nach- und Mitdenken an. Östlich des Schulgebäudes weisen die Spitzen der Metallplastik «Abheben» (1989) von Flurin Granwehr zur Schule, zu den Bergen, in die Erde, zum Himmel. Im Schulhaus sind Bilder (1980) von Karl Jakob Wegmann zu sehen. Im Eingangsbereich des Kantonsspitals ist ein «Labyrinth» (1995/96) von Erika Sidler Bestandteil des Fussbodens. Vor dem Schwesternhochhaus, nordöstlich des Spitals, steht eine Lavezsteinsäule mit farbig eingelegter Zahlen-Zeichen-Schrift (1992/93) von Mary Derungs. In der Friedhofhalle findet sich die Eisenplastik "Aion" (1998) von Barbara Streiff, die den immer wiederkehrenden Kreislauf von Werden und Vergehen darstellt. Von Ulrich Rückriem ist ein Werk (ohne Titel) zu sehen: am Zaunplatz (1989) und am Berglihügel (1987), nahe der bekannten Galerie Tschudi. – Die vielen Brunnen im Stadtgebiet, vor allem derjenige auf dem Gemeindehausplatz «Berggeist mit Tieren» (1925 - 27) von Otto Kappeler, lassen ihr Wasser meist aus schönen Brunnenstöcken in die Tröge plätschern. Vor der St.-Fridolins-Kirche stellt ein von Koji Takihara entworfener Brunnen das Wechselspiel von Erinnern und Verblassen dar. - Am Erlenschulhaus findet sich ein Mosaik «Tiere des Glarnerlandes» (1957) von Fritz Hug. - Auch in privaten Räumen und Gärten vermögen aufmerksame Stadtgänger bedeutende Skulpturen und Kunstwerke zu entdecken. Das Kunsthaus - im Besitze eines Picasso (Tête bleu) und eines Kirchners - enthält eine sehenswerte Sammlung schweizerischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Es führt auch viel beachtete Sonderausstellungen durch. Im und um das Gasthaus Richisau im Klöntal finden sich Werke von Karl Prantl, Kurt Sigrist, Fritz Wotruba, Elmar Daucher, Rudolf Koller, Johann Gottfried Steffan, Günther Uecker, Ulrich Rückriem. Die modern gestaltete Landesbibliothek und das Landesarchiv bergen in der alten Stadtschule nicht nur Dokumente und Sammlungen ersten Ranges (so z.B. ein einzigartiges Genealogiewerk), sondern sind dank dem breiten, benutzerfreundlichen Angebot zu einem Treffpunkt geworden. |